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Talent Marktplatz bei der Lufthansa: Learnings nach einem Jahr und große Zukunftspläne

Die Lufthansa Group startete 2020 mitten in der Krise ihren digitalen Talent Marktplatz CanDo. Heute nutzen bereits knapp 4.000 Mitarbeitende die Software, um sich zu vernetzen, gemeinsame Projekte zu starten oder Wissen auszutauschen. Kürzlich wurde CanDo auch für die Cabin Crew gelauncht. Weitere Unternehmensbereiche und Gesellschaften sollen folgen. Wie hat das Unternehmen das binnen eines Jahres geschafft? Und wie hat das neue Level an interner Vernetzung das Arbeiten bei der Lufthansa verändert? – Wir haben Katja Müller (Manager Performance & Potential) und Charlotte Krische (Manager Recruiting & Sourcing) von der Lufthansa Group nach ihren Motiven, Herausforderungen, Learnings und Erfolgen rund um die Softwareeinführung mit Tandemploy gefragt. Das sind die Ergebnisse:

Die Idee hinter dem Talent Marktplatz

Ein digitaler Talent Marktplatz sollte der Lufthansa Group dabei helfen, ein vollständiges Bild von den vorhandenen Skills in der Organisation zu bekommen. In der Vergangenheit waren Talente, Fähigkeiten und Interessen vor allem von Mitarbeitenden bestimmter Bereiche sichtbar. Gleichzeitig wollte die Lufthansa „New Work“ vorantreiben, und das nicht nur für einige wenige Abteilungen, sondern für alle Mitarbeitenden.

Wie würde der Talent Marktplatz ankommen?

Die Bedenken waren überschaubar, aber es gab sie: Würde die Software auf breite Akzeptanz in der Belegschaft stoßen? Was, wenn am Ende doch wieder nur „die üblichen Verdächtigen“ aus Marketing und HR, die ohnehin gut vernetzt sind, den Marktplatz nutzen? Und würde dieser sich vom internen Bewerber*innenmarkt abgrenzen, den die Lufthansa ja auch weiterhin betreibt? 

Eines war klar: Sie würden es nur herausfinden, wenn sie es probieren. Also #einfachmachen

Welche Voraussetzungen musste der Talent Marktplatz erfüllen?

Ziel war es, möglichst viele Mitarbeitende von Beginn an für den Talent Marktplatz zu begeistern und sie zu motivieren, sich dort aktiv zu bewegen. Folgende Kriterien setzte die Lufthansa für CanDo an: 

  1. Usability: Der Talent Marktplatz sollte möglichst niedrigschwellig und einfach zu nutzen sein, auch für weniger digital affine Mitarbeitende.
  2. Skill Datenbank: Mitarbeitende würden die Software nur nutzen, wenn sie sich und ihre Skills darin wiederfinden. Das setzte voraus, dass die Datenbank gut gepflegt und an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst sein würde. 
  3. Bedarfe: Die Lufthansa legte großen Wert auf das Modul „Projekte“. Hier war entscheidend, dass sich über die Software wirklich alle Arten von Projekten mit passenden Mitarbeitenden matchen ließen, ob ein Kurzeinsatz von wenigen Stunden oder Tagen, oder ein Projekt, das mehrere Monate dauert. Der gleiche Anspruch hinsichtlich der Fülle an Optionen galt für das Modul „Workshops“. Insbesondere Mitarbeitende in der Kabine sollten mit der Software unkompliziert Tagesworkshops aufsetzen und potentiellen Teilnehmenden und Moderierenden zugänglich machen können.
  4. Spaß: Ein Tool würde nur dann immer wieder genutzt werden, wenn es Spaß macht. Dazu gehört, dass es schick aussieht und einen „coolen Vibe“ versprüht. Ein Faktor, der vor allem der Cabin Crew sehr wichtig war. 

Mit der Tandemploy Software sah die Lufthansa Group alle Faktoren erfüllt

Interne Vernetzung hilft in der Krise

Der Start ist in der Luftfahrt ja immer ein bisschen mit Herzklopfen verbunden, so auch beim Launch von CanDo. Wobei man hier durchaus von echten „Turbulenzen“ sprechen kann, denn der Start des Pilotprojektes erfolgte mitten im Lockdown, in einer Zeit also, in der die wenigsten Flieger in der Luft und die meisten Beschäftigten in Kurzarbeit waren. Das Projektteam entschied, trotzdem loszulegen, oder vielmehr: jetzt erst recht! Denn die Mitarbeitenden signalisierten ganz klar, dass sie trotz Kurzarbeit mit dem Unternehmen verbunden bleiben wollten. Die Lufthansa Group wiederum nutzte die frei gewordenen Kapazitäten und setzte „ReNew“-Projekte auf, um die Organisation von innen heraus zu transformieren. Hierfür suchte sie gezielt Mitarbeitende mit Projektmanagement-Erfahrung – und fand sie über den frisch aufgesetzten Talent Marktplatz, auf dem sich immer mehr der 4.000 potentiellen Nutzer*innen anmeldeten. Neben den ReNew-Projekten gab es dort zunehmend eigeninitiativ von den Mitarbeitenden gestartete Projekte, wie das „Sprachcafé“, in dem Kolleg*innen einander Fremdsprachen-Skills vermittelten. Einen ersten Peak erreichten die Nutzer*innenzahlen, als die Lufthansa beschloss, ein eigenes Impfzentrum aufzubauen und Mitarbeitende mit entsprechenden Erfahrungen über CanDo suchte (und fand).  

Neues Maß an Mitbestimmung

Das Feedback der Belegschaft zum neuen Talent Marktplatz hat vielleicht nicht überrascht, schließlich waren die Projektverantwortlichen gut vorbereitet und voller Überzeugung gestartet. Trotzdem hat die tolle Resonanz alle Beteiligten umso mehr gefreut. Was die Mitarbeitenden besonders an CanDo schätzen, ist das neue Maß an Mitbestimmung. Die Möglichkeit, eigene Ideen als Projekt aufzusetzen oder sich auf Vorhaben von Kolleg*innen zu bewerben und zeitweise abseits der eigenen Routine zu arbeiten, schafft ganz neue Räume für Kreativität und frische Perspektiven. Viele Beschäftigte aus unterschiedlichen Abteilungen waren zum ersten Mal überhaupt miteinander in Kontakt, zum Beispiel bei der Besetzung der Impfzentren.

Talent Marktplatz lebt vom Kulturwandel – und fördert ihn

Der Erkenntnisgewinn während der Pilotphase war auf allen Seiten hoch, sowohl bei den Mitarbeitenden, als auch beim Projektmanagement-Team, allen voran Katja Müller und Charlotte Krische. Als Personalverantwortliche wussten sie zwar schon vorher, dass die Belegschaft der Airline eine „bunte Truppe“ mit vielen tollen Talenten ist. Eine Übersicht mit den tatsächlich vorhandenen Skills in der Breite der Organisation fehlte aber bislang. Hier sieht sich die Lufthansa Group mit dem Talent Marktplatz auf einem guten Weg in Richtung einer beweglichen und vernetzten Organisation, in der Wissen und Unterstützung leicht zugänglich ist. Denn die Anzahl an Skills, die Mitarbeitende sich zuordnen, wächst stetig. Sind einige Kolleg*innen noch zurückhaltend und ordnen sich eher eine Handvoll Skills zu, finden sich in anderen Profilen bereits zehn oder mehr – und damit weit mehr und vielfältigere Informationen über ihre Mitarbeitenden, als HR-Verantwortliche sie normalerweise in “klassischen” Verwaltungstools dokumentiert haben. Und klar ist auch: Der Talent Marktplatz lebt von Angebot und Nachfrage – und damit von Mitarbeitenden, die die Freiheit haben, ihn zu nutzen und sich einzubringen. Der begleitende Kulturwandel, den CanDo maßgeblich mitprägt, ist gleichzeitig eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Talent Marktplatz seine ganze Wirkung entfalten kann.

Offenheit und Flexibilität auf Führungsebene gefragt

Die Zukunft steht im Zeichen der Ausweitung der internen Vernetzung bei der Lufthansa Group. Aktuell sind fast alle der potentiellen 4.000 Nutzer*innen unter den Bodenmitarbeiter*innen auf CanDo angemeldet. Kürzlich wurde der Talent Marktplatz für die Mitarbeitenden der Kabine gelauncht. Denkbar sind zudem weitere Module neben Projekten, Workshops und Expertenaustausch. 

Spannend wird sein, wie sich das Engagement der Belegschaft auch bei wieder steigendem Arbeitspensum entwickelt. Hier sind vor allem auf Seite der Führungskräfte Offenheit und Flexibilität gefragt sowie die grundsätzliche Bereitschaft, ihre Mitarbeitenden in Projekten außerhalb des eigenen Bereichs mitwirken zu lassen. Kulturwandel is Key.

Das Signal aus anderen Abteilungen und Gesellschaften der Lufthansa Group ist jedenfalls klar: We are #readyfortakeoff. 

Lest mehr über den Start des Pilotprojektes im Interview mit Tamara Winter, zum Zeitpunkt des Launches Manager Performance & Potential Management bei der Lufthansa AG und hauptverantwortlich für die Implementierung von CanDo. 

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