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Ein erster Schritt Richtung Flexibilisierung mit der Brückenteilzeit

Vollzeit, Teilzeit und zurück? Die wichtigsten Infos zur aktuellen Rechtslage

Seit dem 1. Januar 2019 haben Mitarbeiter*innen in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten das Recht erhalten, in eine sogenannte „Brückenteilzeit“ zu gehen, das heißt für eine bestimmte Dauer – zwischen einem und fünf Jahren – weniger zu arbeiten, ehe sie dann wieder in Vollzeit zurückkehren. Wie ist der aktuelle Stand und was hat sich seit Januar 2019 geändert? Wir haben die wichtigsten Infos recherchiert.

Aktuelle Rechtslage:

Beschäftigte haben grundsätzlich ein Recht auf Teilzeit. Das Gesetz fordert weder bei unbefristeter, noch bei befristeter Teilzeit eine Begründung (z. B. Kindererziehung, Pflege) vom Beschäftigten für den Wunsch nach Arbeitszeitänderung. Der Gewährung des Rechts auf Teilzeit können allerdings betriebliche Gründe entgegenstehen (z. B. unverhältnismäßige Kosten für den Betrieb), die der Arbeitgeber beweisen muss.

Bis Ende 2018 gab es keinen Anspruch auf eine befristete Teilzeit und keinen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr in Vollzeit. Dies hat sich nun geändert, zumindest in den meisten Fällen. Auch wenn ein Arbeitnehmer seine Teilzeit wieder verlängern möchte, reicht hierfür eine Mitteilung in Textform.

Die neuesten Gesetzesänderungen zum Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) regeln u. a. die sogenannte Brückenteilzeit. Danach haben Beschäftigte einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit (= Brückenteilzeit). Beschäftigte haben so die Möglichkeit, für einen bestimmten Zeitraum ihre Arbeitszeit zu reduzieren und danach wieder in Vollzeit zurückzukehren.

Für die Brückenteilzeit gibt es bestimmte Regelungen und Rahmenbedingungen:

  • Anspruch gilt nur bei Unternehmen mit mindestens 45 Beschäftigten
  • Beschäftigte müssen länger als 6 Monate im Unternehmen sein.
  • der Zeitraum der Reduzierung im Antrag des Arbeitnehmers beträgt mind. 1 Jahr und höchstens 5 Jahre (kann durch Tarifvertrag zuungunsten des Arbeitnehmers angepasst werden).
  • Beschäftigte müssen den Antrag auf Brückenteilzeit mind. 3 Monate vor deren Beginn stellen (Textform, also z. B. ein Antrag per E-Mail sind ausreichend).
  • Zumutbarkeitsgrenze: Bei Betrieben mit bis zu 200 Beschäftigten können nur ca. 15 % der Mitarbeiter*innen dieses Recht in Anspruch nehmen (exakte Zahl ist im Gesetz nach Mitarbeitern gestaffelt).

Genauso wie die unbefristete Teilzeit kann die Brückenteilzeit abgelehnt werden, wenn diesem Wunsch des Beschäftigten betriebliche Gründe entgegenstehen. Das ist der Fall, wenn dadurch z.B. die Organisation oder der Arbeitsablauf des Betriebes wesentlich beeinträchtigt wird. Dies muss jedoch der Arbeitgeber beweisen.

Angestellte, die bereits (unbefristet) in Teilzeit beschäftigt sind, haben weiterhin den Anspruch für einen freien Arbeitsplatz bevorzugt behandelt zu werden. Neu ist hier, dass nun der Arbeitgeber beweisen muss, dass kein freier Arbeitsplatz vorhanden ist oder der Mitarbeiter nicht geeignet ist. Diese Beweislastumkehr soll den Beschäftigten die Rückkehr in Vollzeit erleichtern.

Ein guter Schritt Richtung Flexibilisierung

Immer mehr Menschen wollen ihre Arbeitszeit reduzieren, das zeigt der Trend der letzten Jahre. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, eine Weiterbildung oder einfach mehr freie Zeit – die Gründe dafür sind vielfältig. Doch nicht alle möchten ihre Arbeitszeiten auf Dauer verkürzen. Bisher war es allerdings schwierig, eine einmal reduzierte Arbeitszeit wieder aufzustocken. Mit dem neuen Gesetzesentwurf wird eine flexible Arbeits- und Lebenszeitgestaltung jetzt möglich. Allerdings gilt das nur in Betrieben ab 45 Beschäftigten. 60% der Mütter jedoch arbeitet in kleinen und mittleren Betrieben. Dadurch wird die Gesetzesänderung für viele Menschen keine Anwendung finden. Ein erster Schritt Richtung Flexibilisierung ist jedoch damit getan.