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Jahresrückblick: 12 Dinge, von denen wir uns 2020 endgültig verabschieden

2020 ist ein Jahr, das wir so schnell nicht vergessen werden. Das Corona-Virus hat unser aller Leben maßgeblich verändert. Es hat auch unserer Gesellschaft den Spiegel vorgehalten, den Finger in die Wunde gelegt und uns einmal mehr gezeigt, dass die Art und Weise, wie wir heute leben und arbeiten, noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist. Im Gegenteil: viele Dinge, an die wir (als Gesellschaft, nicht als Tandemploy ;) ) uns vor Corona krampfhaft geklammert haben, erwiesen sich als überflüssig – seien es aufwendige Geschäftsreisen, riesige Bürokomplexe, die Präsenzpflicht oder die Angst vor digitalen Technologien.

Wir (von Tandemploy :-) ) haben 12 Dinge aufgelistet, die im neuen Jahr kein Mensch und keine Organisation mehr braucht und die wir mit dem ausklingenden Jahr ein für allemal begraben.

Platz 12: Homeoffice als Ausnahme

Dass sich viele Aufgaben wunderbar remote (und sogar besser als vor Ort im Firmen-Office) erledigen lassen, haben in diesem Jahr hoffentlich auch die hartnäckigsten Verweigerer mobilen Arbeitens verstanden. In 2021 wollen wir keine dreistufigen Antragsverfahren für einen Homeoffice-Tag mehr sehen, sondern Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden vertrauen und ihnen vor allem etwas zutrauen! Eine solche Unternehmenskultur führt dann auch dazu, dass Mitarbeitende ganz gewusst und gern in ins Büro kommen – um ihre Kolleg*innen zu treffen, sich persönlich auszutauschen und gemeinsam kreativ zu werden. Das Büro des Jahres 2021 wird weniger ein Ort des stillen Abarbeitens sein, als vielmehr ein Ort der Begegnung. Der Tag im Büro als Highlight der Arbeitswoche – welch schöne Vorstellung!

Platz 11: Angst vor Technologie

Technologie lenkt uns ab, stumpft uns ab und lässt uns vereinsamen? Das mag in Ansätzen zutreffen. Aber daran ist nicht die Technologie Schuld, sondern in erster Linie unser Umgang mit ihr. Wir müssen lernen, Technologie FÜR uns zu nutzen, heißt, um unser aller Leben zum Positiven zu verändern. Die Möglichkeiten, die Technologie hier bietet, sind schier grenzenlos. Sie zu erschließen, zu verstehen und einen bewussten Umgang mit Tech zu lernen, ist eines der großen Themen in 2021 (und 2031, und 2041…). Wenn wir digitale Tools sinnvoll und zielgerichtet einsetzen, schaffen sie neue Freiräume. Sie helfen uns, uns als Menschen wieder stärker zu verbinden, voneinander zu lernen, miteinander zu reden und eine gemeinsame Idee von einem guten Leben zu entwickeln und umzusetzen. Dafür brauchen wir Digitalkompetenz. Diese gehört auf den Stundenplan in Kitas, Schulen, Hochschulen und in jedes organisationale Lernumfeld. Denn Angst und Vorbehalte entstehen vor allem durch Unkenntnis und aus dem Gefühl heraus, ausgeliefert zu sein. Wenn wir Technologie aktiv gestalterisch nutzen, verstärkt sie unsere Selbstwirksamkeit und Kreativität. Wir beherrschen die Technologie, nicht sie uns. Da wollen wir hin!

Platz 10: Weiterbildung von der Stange

One fits all war noch nie eine gute Idee. In 2021 hat sie endgültig ausgedient. Wer Menschen mit vielfältigen Talenten, Erfahrungen und Fähigkeiten für sich gewinnen möchte, braucht ebenso vielfältige Möglichkeiten des Lernens und der Weiterentwicklung innerhalb der Organisation. Denn kluge Köpfe mit digitalem Mindset sind begehrt. Organisationen, die dem Bedürfnis dieser Köpfe nach selbstbestimmtem Arbeiten und Lernen nicht entsprechen, werden sie in Null komma Nix an die Konkurrenz verlieren – an Unternehmen nämlich, in denen Mitarbeitende ihre Karriere eigeninitiativ vorantreiben können. Interne Talent und Opportunity Marketplaces ersetzen Weiterbildung von der Stange und ermöglichen es, interessengeleitet, on the job und vernetzt mit ihren Kolleg*innen zu lernen. So sieht die Weiterbildung der Zukunft aus. Start: 2021.

Platz 9: Unethische und unsichere Software

Nackte Haut im Online Meeting, gehackte Daten nach dem Zoom-Call, Kontrollverlust beim Absturz des amerikanischen Servers: das Thema Datensicherheit ist in Zeiten von Corona wieder stärker in den Fokus gerückt. Wurden Sicherheitsbedenken in der Vergangenheit immer gern als Argument vorgeschoben, um sich gänzlich vor Technologie und Remote Work zu verschließen, haben Unternehmen nun die Chance, sich ernsthaft und anhand konkreter Erfahrungen mit den Möglichkeiten von guter, sicherer Software auseinanderzusetzen. Denn die gänzliche Abkehr von virtuellen Formen der Zusammenarbeit dürften die Wenigsten anstreben. Zu schwer wiegen die Vorteile, wie Zeitersparnis, mehr Flexibilität, geringere Kosten für Büroräume und höhere Mitarbeiterzufriedenheit. Diese gepaart mit digitalen Tools, die auf den verantwortungsvollen Umgang mit Daten setzen, bieten beste Voraussetzungen für den Weg in eine neue Arbeitswelt. Einen Vorschlag für entsprechende Leitlinien hat der Ethikbeirat HR-Tech zu Beginn des Jahres veröffentlicht. Und es gibt bereits tolle Software, die Daten ethisch, also zum Nutzen der Menschen, die sie zur Verfügung stellen, verarbeitet. 2021 wollen wir mehr People Analytics FOR the People sehen!

Platz 8: Trennung von Business-Ich und Ich

Den Dresscode haben wir abgeschafft. Wenn wir es jetzt noch hinbekommen, dass Menschen sich im Arbeitskontext so zeigen können, wie sie sind, mit ihren Stärken, Schwächen, Ängsten, Interessen und Bedürfnissen, sind wir auf einem guten Weg in eine menschenfreundliche Arbeitswelt in 2021. Lasst uns akzeptieren und anerkennen, dass kein CEO und keine Führungskraft alles wissen kann, dass wir alle Fehler machen und nicht immer die richtigen Entscheidungen treffen. Lasst uns gemeinsam daraus lernen und Verantwortung und Entscheidungskompetenz auf mehrere Schultern und Köpfe verteilen, ausgehend von der Kompetenz, nicht vom Jobtitel. Lasst uns bewusst wahrnehmen, dass wir mehr sind als unsere Arbeit und doch ganz viel von dem, wer wir sind und was wir wollen in unsere Arbeit einfließen lassen können.

Platz 7: Starre Pyramide

Pyramiden gehören ins Museum, nicht in Organisationen des 21. Jahrhunderts. Ein digitales Mindset zu entwickeln heißt auch, sich von starren Hierarchien zu verabschieden und Entscheidungsmacht an Fähigkeiten und Rollen zu knüpfen, statt an feste Positionen an der Spitze. Wer Verantwortung übernehmen kann und möchte, muss die Gelegenheit dazu bekommen.

Platz 6: 40-Stunden-Woche

Wer hat nochmal gesagt, dass jede Aufgabe sich in genau 40 Stunden erledigen lässt? Und zwar von genau einer Person? Und am besten zwischen 9 und 17 Uhr täglich? Wer auch immer es war, er lag falsch. Die Aufgabenbereiche in modernen Organisationen sind so vielfältig, dass es schlichtweg unmöglich ist, sie in ein festes Zeitraster zu pressen. Manche erfordern zehn, andere 40, wieder andere 100 Stunden Arbeit in der Woche. Statt krampfhaft zu versuchen, jede Aufgabe an 40 Stunden anzupassen, sollten Unternehmen anfangen zu gucken, was getan werden muss, wie viel Zeit die einzelnen Aufgaben erfordern und wer diese am besten übernehmen kann und möchte – allein, zu zweit, im Job-Tandem, im Dreier-Team oder welche Konstellation sich auch immer als am sinnvollsten erweist. Die so entstehenden Rollen und Teams profitieren nicht nur von einem entzerrten Arbeitstag und mehr Zeit für Dinge abseits der Arbeit, sondern auch von der Vielfalt der Perspektiven und dem Rückhalt durch die Kolleg*innen im Team. Organisationen wiederum haben die Sicherheit, dass Bereiche weiterlaufen und wichtiges Wissen nicht verloren geht, wenn Mitarbeitende ausfallen oder das Unternehmen verlassen. Lasst uns 2021 zu dem Jahr machen, in dem wir mit weniger, aber smarter Arbeit mehr erreichen!

Platz 5: Einzelkämpfertum

Social Distancing hat uns einmal mehr gezeigt, dass wir soziale Wesen sind, die den Austausch mit anderen Menschen brauchen. Und die Krise hat auch das Bewusstsein geschärft, dass wir gemeinsam so viel mehr erreichen können als jeder für sich allein – ob vernetzte Forschung, vernetzte Regierungen, vernetzte Mitarbeitende in Unternehmen. Dass dabei nicht immer alles glatt läuft, dass Fehler passieren und Reibung entsteht, ist dabei völlig normal. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, das Konzept des kollaborativen Arbeitens und Lernens weiter voranzutreiben, und zwar auf jeder Organisationsebene. Eine der wichtigsten Errungenschaften der Neuen Normalität ist es, sich über Abteilungsgrenzen und Unternehmensgrenzen hinweg zu vernetzen. Topsharing, geteiltes Wissen, positionsübergreifendes Mentoring, Generation Exchange, Lunch Dates mit dem CEO, interne Barcamps, Skill Matching – 2021 total normal.

Platz 4: Planbarkeit

Leben ist was passiert, während du dabei bist andere Pläne zu machen. John Lennon wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Und seine Worte sind aktueller denn je. Das einzige, was in 2020 konstant war, war die Veränderung. Mit 10-Jahres-Plänen und am Reißbrett erdachten Strategien für die kommenden zwei oder fünf Jahre kommen wir nicht weiter. Was Unternehmen brauchen, ist eine Vision, ein Ziel, worauf sie hinarbeiten, ein Purpose. Der Weg dorthin aber muss offen bleiben. Organisationen müssen sich trauen loszulaufen, unterwegs ihre Fühler auszustrecken und dann einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Herantasten, stolpern, nochmal zurückgehen – das alles ist völlig ok. Nur ängstlich stehenbleiben sollten wir nicht. Denn eines ist klar: Sicherheit gibt es nicht, auch nicht mit einem vermeintlich ausgeklügelten Plan. Worauf sich Unternehmen allerdings verlassen können, sind ihre Mitarbeitenden. Ihre Fähigkeiten müssen sie vollumfänglich kennenlernen, fördern und in flexiblen Rollen einsetzen. So bleiben Organisationen maximal beweglich, auch unter veränderten Bedingungen.

Platz 3: Homogene Teams

Homogenität und Innovation schließen sich aus. Zehn in etwa gleich alte Männer, die in etwa gleich sozialisiert wurden, werden in einem Brainstorming ziemlich erwartbare Lösungen hervorbringen. Ganz anders sieht es aus, wenn Männer, Frauen und nicht binäre Menschen ganz unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln zusammenkommen, um ein Problem zu lösen. Die Mischung aus Perspektiven und Erfahrungswelten ist der Nährboden, auf dem neue Ideen wachsen können, solche, die die Welt noch nicht gesehen hat. Wer dem gesunden Menschenverstand allein nicht traut, kann entsprechende Studien zu Rate ziehen, die immer wieder aufs Neue beweisen, dass gemischte Teams kreativer und erfolgreicher sind. Tijen Onaran hat es kürzlich sehr schön auf den Punkt gebracht: “In diesem Jahr fiel es auf, dass sich Unternehmen zu Diversitäts- und Inklusionsthemen positionieren. In 2021 wird es so sein, dass es auffällt, wenn sie es nicht tun!” Bei der Positionierung allein darf es aber nicht bleiben. Wir wollen Taten sehen – bunte Teams und Ideen, die die Welt verändern!

Platz 2: Michael, Thomas und Hans

In 2020 war Deutschland erneut globales Schlusslicht beim Thema „Frauen in Führungspositionen“, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der Allbright Stiftung gezeigt hat. Gesetzliche Vorgaben, die auf Freiwilligkeit setzen, Zielvorgaben der Größenordnung Null erlauben und nur für eine handvoll Unternehmen gelten, haben sich als wirkungslos erwiesen. Eine neue verbindliche Frauenquote für Vorstände börsennotierter Unternehmen soll das in 2021 ändern. Das ist ein wichtiger und notwendiger Schritt. Und doch ist es ein Armutszeugnis, dass es ohne Quote scheinbar nicht geht und es immer noch Unternehmen gibt, die Frauen keine Führungsrolle zutrauen. Dabei hat sich gerade im Krisenjahr einmal mehr gezeigt, dass es vor allem Frauen sind, die Gesellschaften am Laufen halten, wenn es hart auf hart kommt – ob als Pflegerinnen, Verkäuferinnen, Team Leader, Regierungschefinnen oder Lehrerinnen ihrer Kinder beim Homeschooling. Und dass Frauen genauso geile Startups gründen wie Männer, obwohl sie nur einen Bruchteil der Investorengelder bekommen, die männliche Gründer kriegen, ist ebenfalls eine Tatsache. Wer das Potential von Frauen weiterhin bewusst ignoriert oder klein hält, wird bald das Nachsehen haben. Innovation braucht Vielfalt. Unternehmen, die ganz unabhängig von der Quote auf Diversität setzen, gehört die Zukunft. Und die startet jetzt.

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