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Der Faktor Mensch: Mit Therapie und Technologie in die Zukunft

Heute muss sich niemand mehr schämen, wenn er oder sie eine Psychotherapie macht. Immer mehr Menschen gehen offen damit um, dass es Dinge gibt, die sie allein nicht bewältigen können. Manche behaupten, es sei schon fast „en vogue“ zur Therapie zu gehen. Mein Haus, mein Auto, mein Therapeut und so. Wahrscheinlich bringt jede Weiterentwicklung ihre Übertreibung gleich mit.

Und doch: Vielleicht brauchen wir eine Art Therapie im großen Stil – in Unternehmen! Vielleicht bringt eine groß angelegte Kognitive Verhaltenstherapie endlich den so dringend notwendigen Durchbruch im Denken. Vielleicht hilft am Ende nur die reine Konfrontation mit den eigenen Spiralen im Kopf, die mit Hausmitteln, wie dem gelegentlichen Workshop oder dem fleißigen Konsum des Tandemploy-Blogs, einfach nicht durchbrochen werden können.

Veränderung startet mit Ehrlichkeit

Konfrontation heißt auch: radikale Ehrlichkeit. Teresa Bücker hat dazu vor einiger Zeit einen sehr lesenswerten Beitrag auf Süddeutsche.de geschrieben. Sie schrieb: „Sie (Ehrlichkeit) hat nichts mit Schreien zu tun, sondern mit Reflexion darüber, was wir gerade fühlen, warum wir etwas denken und wie wir das anderen verständlich machen können. Wer darum bemüht ist, immer offen und ehrlich zu sein, hält vermutlich zunächst viel öfter die Klappe und grübelt stattdessen. Denn es ist viel schwieriger auszudrücken, was wirklich in uns vorgeht, als das zu sagen, was uns als Erstes einfällt.“

Das Gute an der Therapie: Sie bietet genau den geschützten Rahmen, der nötig ist, um Gedanken einfach mal auszusprechen. Gedanken wie:

„Ich möchte nichts abgeben, weder mein Wissen, noch meinen Jobtitel. Ich möchte, dass alles so bleibt wie es ist.“ als ehrliche Variante von „Ein Großunternehmen wie unseres tut sich schwer mit offenen Strukturen.“

“Ich verstehe dieses ganze Digitalisierungs-Thema nicht und habe Angst, abgehängt zu werden.” statt des Allgemeinplatzes „New Work funktioniert ja nur für bestimmte Jobs. Das kriege ich niemals beim Betriebsrat durch.“

“Ich habe Angst, was mit mir passiert, wenn plötzlich alle mitentscheiden können. Vielleicht werde ich überflüssig.” als aufrichtige Version von „Die meisten Mitarbeitenden wollen ja gar keine Verantwortung übernehmen.“

Oder das Beispiel von Teresa in ihrem Beitrag: “Ich möchte nicht mit Frauen zusammenarbeiten, weil ich sie grundsätzlich für inkompetent halte und mich wohler in einer reinen Männergruppe fühle.” als ehrliche Variante von „Wir haben keine qualifizierte Frau für den Vorstand finden können.“

Kennt ihr das, dass man manchmal vor seinen eigenen Gedanken erschrickt und hofft, dass man sie nur gedacht und nicht ausgesprochen hat? Vermutlich ist niemand frei davon. Genauso wie niemand frei von Vorurteilen, Ängsten oder egoistischen Zügen ist. Der entscheidende Punkt ist, wie wir mit diesen Teilen unserer Persönlichkeit umgehen und vor allem OB wir bereit sind damit umzugehen. Denn nur wenn wir die eigenen Gedanken zulassen und uns mit ihnen auseinandersetzen, können wir sie auch bewusst ändern. Der Schreck oder die Verwunderung angesichts der eigenen Denkmuster ist der erste Schritt, um sie aufzubrechen. Denn dann ist Reflektion möglich und dann ist Raum da für neue Denkansätze.

Denkmuster konsequent aufbrechen

Jemand, der tief in seinem inneren Angst hat – vor Statusverlust, vor Geldverlust, vor Gesichtsverlust –  wird auch nach dem zehnten Workshop und dem 20. Tandemploy-Blogbeitrag nicht ins Machen kommen. Dabei ist er oder sie sich seiner oder ihrer blockierenden Haltung vermutlich nicht einmal bewusst. Warum gehen seit Jahren unzählige Menschen auf unzählige New Work-Veranstaltungen und am Ende passiert doch so wenig Neues? Veränderung braucht Zeit, heißt es dann. Komisch nur, dass sich die Welt an allen Stellen rasend schnell verändert – nur auf Unternehmensseite nicht.

Und jetzt alle auf die Couch? So abwegig ist das gar nicht. Wer sich seinen Ängsten und Vorbehalten stellt und seine egoistischen Treiber kennt, hat die Möglichkeit, sich und sein Umfeld bewusst wahrzunehmen und zu verändern. Statt die hauseigenen Wirtschaftspsychologen zur Planung von Assessment Centern zu verdonnern, können Organisationen sie für den eigenen Erkenntnis- und Veränderungsprozess nutzen. In einem ersten Schritt könnten sie anfangen, Strukturen und Blockaden sichtbar zu machen, um sich dann zu fragen, welche Rolle der Faktor Mensch bei ihrer Aufrechterhaltung spielt. Mit den richtigen Formaten und Tools gilt es dann, die Denk- und Verhaltensmuster Stück für Stück aufzubrechen. Die Digitalisierung kann hier als ihr eigener Beschleuniger wirken. Denn auch kognitive Veränderungen können im digitalen Raum angestoßen werden.

Der Therapeut im Büro

Bereits 1966 entwickelte Joseph Weizenbaum ELIZA, einen Sprachcomputer, der – zumindest oberflächlich – einen Psychotherapeuten simulieren konnte. Den so genannten ELIZA-Effekt, demzufolge es gar nicht so wichtig ist, ob das Gegenüber eine Maschine oder ein Mensch ist, so lange sie menschlich wirkt, kommt bis heute bei Chatbots zum Tragen – zunehmend auch im Bereich der Verhaltenstherapie. Diese zielt weniger auf die Aufarbeitung der Vergangenheit (auf der berühmten Couch), sondern sucht nach eingefahrenen und belastenden Denkmustern des Gegenübers mit dem Ziel, diese zu hinterfragen und schließlich zu überwinden. Ist das der Schlüssel zu echter Veränderung im Unternehmen? Der Therapeut auf dem Betriebshandy? Die Idee hat Potenzial. Erste Studien zum Erfolg von Chatbot unterstützten Therapien sind vielversprechend.

Neue Erfahrungen erzeugen eine neue Realität

Daneben gibt es aber auch Wege etwas zu verändern, die auf echter zwischenmenschlicher Kommunikation und persönlichem Austausch basieren. Von- und miteinander zu lernen etwa ist ein wirksames Mittel, um Vorurteile und Ängste abzubauen. Denn am Ende sind es die Erfahrungen, die wir machen, die uns und unser Denken prägen. Organisationen sind also gefragt, ihren Mitarbeitenden ganz neue Erfahrungswelten zu eröffnen. Das kann ein Generation Exchange sein, ein (Reverse) Mentoring oder ganz simpel die Möglichkeit, sich jederzeit mit Kolleg*innen austauschen zu können. Auch Projektarbeit abseits der gewohnten Routinen oder Kurzeinsätze in einem ganz neuen Team können unsere Art zu denken nachhaltig verändern und damit die Realität, wie wir sie wahrnehmen.

Der Mensch hat es in der Hand (nicht die Maschine)

Es gibt viele Wege, um den “Faktor Mensch” zu einem Treiber von Veränderung zu machen. Dafür müssen Organisationen verstehen, dass es nicht vom Menschen entkoppelte Algorithmen und Maschinen sind, die unsere (Arbeits-)Welt gestalten, sondern dass wir als Menschen es in der Hand haben – wenn wir gedanklich und emotional soweit sind. Viele sind es noch nicht. Sie zu begleiten und zu ermutigen, ist eine Aufgabe, der sich Unternehmen stellen müssen. Digitale Technologie kann dabei eine wunderbare Unterstützung liefern, indem sie ermutigt, ehrlich mit uns selbst und anderen zu sein, Hürden im Kopf zu überwinden oder Neues Arbeiten einfach mal zu probieren.

Bei ELIZA war es den Probanden egal, dass sie mit einer Maschine redeten, so lange die Antworten ihnen menschlich erschienen. Wollen wir eine menschenfreundliche Arbeitswelt bauen, brauchen wir aber auch Tools, die nicht nur an der Oberfläche menschlich wirken, sondern den Menschen und seine Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt rücken.

Wir hätten da eins.

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