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Arbeitszeit – Work smarter instead of harder

Arbeitszeit - Work smarter

„Work smarter instead of harder“ – diese schöne Maxime aus dem Buch „Lean Startup“ von Eric Ries enthält viel Wahres und vor allem Unmengen an Möglichkeiten. Sie verspricht ein Potential, das in unserer heutigen Gesellschaft durchaus schlummert, aber noch längst nicht entfaltet ist. Es gibt viele Ratgeber und Checklisten dazu, wie man seine Arbeitszeit produktiver gestalten kann. Die entscheidende Frage ist aber doch: Wenn wir in unserer Arbeit immer produktiver werden, warum arbeiten wir nach wie vor so viel?

Arbeitszeit ist Lebenszeit – Smart arbeiten

 

Wir haben riesige Sprünge gemacht…

Wenn wir uns unsere Gesellschaft anschauen, wird schnell deutlich: Wir haben in den letzten 150 Jahren Ungeahntes erreicht, enorme technische Fortschritte gemacht, profitieren von so vielen Erfindungen, die uns die tägliche Arbeit wesentlich erleichtern. Wir haben Elektrizität für die breite Masse zugänglich – und für die Produktion in Fabriken nutzbar – gemacht. Wir haben die Schreibmaschine und später den Computer erfunden, die uns die Büroarbeit wesentlich erleichtert haben. Wir haben das Telegramm, und später Telefon und Email erfunden – allesamt Kommunikationsmedien, die der Effizienz unserer Kommunikation ungleich auf die Sprünge geholfen haben. Nicht zuletzt haben wir Autos, Bahnen und Flugzeuge erfunden, die uns schneller von A nach B bringen, ob nun zum Kunden, zum nächsten Geschäftstermin oder abends nach Hause.

… und arbeiten unbeirrt weiter!

Wir haben riesige Fortschritte gemacht – und arbeiten doch genauso viel und hart wie eh und je. Wo wir nur hinhören, erfahren wir von Überstunden, Überforderung und Burn-Out. Nüchtern betrachtet sollte man meinen, dass dies heute gar nicht mehr nötig sein müsste. Klar, die Komplexität unserer Welt wird immer größer und der Druck, global mitzuhalten, auch. Aber die Produktivität und unser Wissen darüber, sie sind so sehr gestiegen, dass sie es allemal ausgleichen müssten.

Warum bloß arbeiten wir so viel? Mehr schaffen in weniger Zeit

Ist es etwa in uns Menschen verankert, einen Großteil des Tages mit Arbeit zu verbringen? Weil wir schlicht und einfach gerne arbeiten, der Beruf für viele auch eine Berufung ist? Oder liegt es auch an Konventionen, an Strukturen, an tradierten Vorstellungen davon, wie Arbeit auszusehen und wann und wie lange sie stattzufinden hat?

Fakt ist, dass wir Menschen mit der Zeit immer produktiver werden. Wir könnten eigentlich einen Gang zurückschalten, unsere Zeit anders nutzen. Produktiv sein und viel schaffen, das geht in vielen Berufen nämlich nachweislich auch in weniger Zeit. Teilzeitarbeit, das untermauern wissenschaftliche Erkenntnisse, ist sogar produktiver als Vollzeitarbeit. Was unsere Intuition und unser gesunder Menschenverstand uns schon lange sagen, belegen auch Umfragen unter Unternehmen: In einer Befragung von 11.700 Betrieben erhob das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass Arbeitgeber Teilzeitarbeit „unter ertragsrelevanten Aspekten (…) einhellig als sehr vorteilhaft“ einschätzen. Teilzeitarbeit fördert Flexibilität und Produktivität (IAB, 2006). Vollzeitarbeit und Überstunden sind einer Produktivitätsstudie von Focus Money Online (2008) zufolge sogar alles andere als zweckdienlich. Demnach sind deutsche Angestellte an durchschnittlich zwei Arbeitstagen pro Woche unproduktiv!

Viel arbeiten ist menschlich?

Allen Umfragen, Erkenntnisse und Fortschritten zum Trotz halten wir fest an 40-Stundenwochen und Präsenzkultur. Ein Löwe würde angesichts des menschlichen Verhaltens nur verwundert die Stirn runzeln, denn für ihn ist ganz klar: Nach der Jagd, da kommt das Schläfchen im Schatten.

Arbeit um der Arbeit willen – das scheint zutiefst menschlich zu sein. Aber ist es auch gut für uns? Von der Vogelperspektive aus betrachtet ist es doch verrückt, dass wir Menschen (und dazu zählen auch die Unternehmen, die ja letztlich aus Menschen bestehen) uns immer weiter optimieren, um letztlich noch mehr Arbeit erledigen zu können – dabei aber kläglich daran scheitern, dass sich Menschen einfach nicht ohne Weiteres „programmieren“ lassen.

Der Mensch im Mittelpunkt

So erfreulich Zeitmanagement-Tipps und Prozesse zur Optimierung unserer Arbeitskraft sind, so wichtig ist es doch auch, Sinn und Zweck von Arbeit im Auge zu behalten. Wenn wir mit weniger Arbeitszeit ebenso produktiv sein können wie in Vollzeit, und gleichzeitig motivierter, ausgeglichener, glücklicher – ist es dann nicht viel erstrebenswerter, hier einen gesellschaftlichen Wandel anzustreben? Weg von der Präsenzkultur und 8-Stunden Tagen hin zu einer Arbeitskultur, in der der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht?

Quellen:

IAB (2006): Teilzeitarbeit fördert Flexibilität und Produktivität. URL: http://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen-2006/03-05-06.aspx (Stand: Oktober 2013)

Focus Money Online (2008): Produktivitätsstudie: Deutsche vertrödeln Arbeitszeit. URL: http://www.focus.de/finanzen/karriere/berufsleben/arbeitszeit/tid-12574/produktivitaetsstudie-deutsche-vertroedeln-arbeitszeit_aid_348389.html (Stand: Oktober 2013)

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