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Work-Life-Dance – Flexibilität bei Brand L.

Geschäftsführer Brand L.

Brand.L ist eine Agentur für Markeninszenierung aus München. Im Januar 2018 haben sie in einer Testphase ihr neues flexibles Arbeits(zeit)Modell eingeführt. Vom starren System zum variablen Modell. Mehr Vertrauen, weniger Kontrolle. Das klang so spannend, dass wir mit Geschäftsführer Thomas Brandl über den Ausgang dieses Experiments gesprochen haben und darüber, wie es jetzt weitergeht.

Ihr habt seit Anfang 2018 ein neues Arbeitszeitmodell bei Brand.L, das ihr intensiv getestet habt. Die Mitarbeiter*innen können seitdem selbständig bestimmen, wann und wo sie arbeiten möchten. Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Welche positiven und negativen Veränderungen haben dadurch stattgefunden?

Das neue Arbeitszeitmodell, wir nennen es „Work-Life-Dance-Konzept“ wurde im Januar 2018 für eine erste Testphase von 6 Monaten eingeführt. Grundgedanke ist eine eigenverantwortliche Einteilung seiner Arbeitszeit und seines Arbeitsortes je nach aktuellem Arbeitsaufkommen und anstehenden Projektterminen. Dies alles basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Kurz gesagt: Jeder kann arbeiten wann und wo er will – solange das Ergebnis stimmt. Dies klingt zunächst einfacher, als es tatsächlich war. Die Arbeitskultur eines festgelegten Arbeitsplatzes und regelmäßiger Arbeitszeit auf Basis eines vereinbarten Stundenaufwandes war bei fast allen Mitarbeitern stark manifestiert und es dauerte seine Zeit bis man sich davon lösen konnte.

Als positive Veränderung kann man auf jeden Fall festhalten, dass seit der Umstellung noch konzentrierter und effektiver gearbeitet wird und das meist ohne Zeitdruck. Zudem kann man seine persönlichen Hochphasen besonders effizient nutzen und dann arbeiten, wenn man am leistungsfähigsten ist und nicht, weil es die Uhr einem vorschreibt. Wenn der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin ein gutes Zeitmanagement hat, wird das durch mehr Freizeit belohnt. Bei Phasen mit hohen Anforderungen stellt man sich dann aber auch leichter auf Überstunden ein. Wir wollen mehr Lebensfreude, effizientes Arbeiten und den Abbau von Stress fördern. Ich muss nicht erst um 19.00 Uhr noch schnell in den Supermarkt (in Bayern haben die Läden nur bis 20 Uhr auf), ich kann auch mal an einem Mittwoch zum Baden gehen und ich kann zuhause arbeiten, wenn mein Kind mit Erkältung im Bett liegt.

Die Befürchtung, dass der Teamspirit durch das Konzept leiden könnte, hat sich nicht bestätigt. Auch wenn jetzt nicht immer alle Mitarbeiter körperlich anwesend sind, bleibt genug Raum für soziales Miteinander und spontanes Treffen zum Mittagessen. Das Büro wird auch weiterhin als Basis dienen, um auch den sozialen Aspekt zu bewahren und sich mit Kollegen das ein oder andere Feierabendbier zu gönnen.

Warum ändert ihr die Arbeitszeitregelung? Wie kam es dazu? Und wie habt ihr vorher gearbeitet?

Wie viele andere Agenturen haben wir mit einer Kernarbeitszeit von 09.00 bis 18.00 Uhr gearbeitet. Die Werbe- und Eventbranche ist stark von Projektaufträgen geprägt. Dadurch entstehen immer wieder Phasen mit hohem Arbeitsaufwand und man arbeitet gerne auch mal spontan in die Nacht hinein. Die Eventprofis sind zudem häufig am Wochenende im Einsatz. Dadurch entstehen jede Menge Überstunden. Der Abbau dieser Überstunden war aber häufig auch „mühsam“, denn dieser musste immer geplant und genau begründet werden und so wurden die ruhigeren Tage kaum als Ausgleich genutzt.

Das Problem: Durch die Anwesenheitspflicht ist es dem Arbeitnehmer nicht möglich, seine Arbeit effektiv einzuteilen. Er hat kaum Möglichkeiten, „schwächere“ Auslastungstage zu nutzen und sich ggf. spontan den Tag frei zu nehmen oder zu verkürzen. Ebenso hat er auch nicht die Möglichkeit, für sich persönlich entsprechend spontan Zeit zu nehmen (z.B. für Sport, Einkauf, Hausarbeit…). Und wenn, dann musste er es immer gegenüber Kollegen oder Vorgesetzen begründen.

Wir wollten aber ein eigenes individuelles Arbeitszeitmodell anbieten, das dem geleisteten Arbeitsaufwand gerecht und zugleich für die Agentur wirtschaftlich effizient wird. Schnelles und effektives Arbeiten sollte belohnt werden. Das Work-Life-Dance-Konzept schafft somit eine Win-Win Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das Arbeitszeitmodell erfüllt die individuellen Bedürfnisse und ermöglicht zugleich effizientes Arbeiten für sich persönlich und für das Team.

Work-Life-Dance Team

Und was hat es mit dem „Dance Office“ auf sich?

Zunächst muss man auf den Begriff „Home Office“ näher eingehen. Home Office bedeutet, dass man nicht im Büro jedoch an einem anderen Ort arbeitet. Dies kann zuhause oder auch unterwegs sein. Wichtig ist, dass man für Kunden und Kollegen jederzeit erreichbar ist, seine E-Mails checkt, an seinem Projekt arbeitet und für Meetings, sei es über Telefon oder Video, spontan erreichbar ist. Home Office kann somit nicht als Ausgleich oder Freizeit dienen.

Dance Office bedeutet Freizeit. In diesem Fall muss der Mitarbeiter nicht zwingend erreichbar sein und kann sein Mobiltelefon entsprechend abschalten. Ebenso bleibt es ihm überlassen, ob er E-Mails abrufen und darauf reagieren soll oder nicht. Diese Zeit ist somit wie eine freie Arbeitszeit bzw. Urlaubstag zu behandeln. Es muss jedoch die Möglichkeit bestehen, den Mitarbeiter trotzdem zeitnah zu erreichen und aus dringenden Gründen zu einer notwendigen Handlung zu aktivieren. Dies ist somit auch die Abgrenzung zum Urlaub, bei dem der Mitarbeiter sich vollständig zur Arbeit abgrenzen soll.

Der Übergang von Home Office zu Dance Office ist sehr fließend und muss von jedem Mitarbeiter eigenverantwortlich festgelegt werden. (Beispiel: In der aktuellen Projektsituation ist es wichtig für den Kunden erreichbar zu sein, dann kann ich nicht in den Dance Office Modus wechseln). Dance Office dient als Ausgleich für Überstunden, Nachschichten und Eventtage am Wochenende.

Welche Rolle spielt New Work in eurer Agentur?

Mit dem Begriff „New Work“ haben wir uns bislang nicht befasst, jedoch lassen sich bei unserem Konzept durchaus Parallelen zu dem Konzept feststellen wie Selbstständigkeit, Freizeit und mehr Raum für kreatives Arbeiten. Der Grund für die Umstellung unseres Arbeitszeitmodells hat wenig bis garnichts mit „aktuellen Trends bzw. Veränderungen“ zu tun. Uns ging es darum, festgelegte Strukturen zu hinterfragen und auf eigene agenturspezifische Bedürfnisse zu verändern.

Was es sonst noch zu sagen gibt: Warum Work-Life-Dance?

Hierzu muss man vielleicht wissen, dass wir in unseren Agenturräumen im Flur ein Wandtattoo hatten „Don’t walk – Dance“. Dies war sozusagen unser Motto – stets beschwingt durch den Tag zu gehen. Auch wenn dies inzwischen überstrichen ist und unsere Räumlichkeiten einen neuen Anstrich bekommen haben, blieb es doch in unseren Köpfen.

Natürlich war die Work-Life-Balance zu Beginn unserer Gedanken zum neuen Arbeitszeitmodell ein wichtiges Thema aber doch auch irgendwie „ausgelutscht“. So haben wir uns für „Work-Life-Dance“ entschieden – was doch eigentlich eine schöne Art und Weise ist, Arbeit und Freizeit in harmonischen Einklang zu bringen.

Vielen Dank für das Interview!

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