Vollzeit, Teilzeit und zurück? Die wichtigsten Infos zur aktuellen Rechtslage

Ein erster Schritt Richtung Flexibilisierung mit der Brückenteilzeit

Ab dem 1. Januar 2019 sollen Mitarbeiter*innen in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten das Recht erhalten, in eine sogenannte „Brückenteilzeit“ zu gehen, das heißt für eine bestimmte Dauer, zwischen einem und fünf Jahren weniger zu arbeiten, ehe sie dann wieder in Vollzeit zurückkehren. Wie ist der aktuelle Stand und was ist genau für 2019 geplant? Wir haben die wichtigsten Infos recherchiert.

Aktuelle Rechtslage:

Beschäftigte haben momentan grundsätzlich ein Recht auf Teilzeit. Allerdings gibt es keinen Anspruch auf eine befristete Teilzeit und keinen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr in Vollzeit.

Unter bestimmten Voraussetzungen haben Arbeitnehmer*innen in Teilzeit lediglich Anspruch auf bevorzugte Berücksichtigung bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes in Vollzeit, § 9 TzBfG (Teilzeit- und Befristungsgesetz). Jedoch muss der Arbeitnehmer beweisen, dass ein freier Arbeitsplatz vorhanden ist und er für den Platz entsprechend geeignet ist (diese Beweislast des Arbeitnehmers wird in dem neuen Gesetzesentwurf auf den Arbeitgeber übertragen, vgl. unten).

Voraussichtliche Rechtslage ab 01. Januar 2019:

(Der Gesetzesentwurf wurde bereits vom Bundeskabinett beschlossen, der Bundesrat muss aber noch abschließend über den Gesetzesentwurf entscheiden. Stand: 13.09.2018)

Der neue Gesetzesentwurf regelt die sogenannte Brückenzeit. Danach haben Beschäftigte einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit (= Brückenzeit). Beschäftigte haben so die Möglichkeit, für einen bestimmten Zeitraum ihre Arbeitszeit zu reduzieren und danach wieder in Vollzeit zurückzukehren.

Dafür gibt es bestimmte Regelungen und Rahmenbedingungen:

  • der Zeitraum der Reduzierung beträgt mind. 1 Jahr und höchstens 5 Jahre (kann durch Tarifvertrag angepasst werden).
  • Beschäftigte müssen keine Gründe für die Reduzierung nennen.
  • Anspruch gilt nur bei Unternehmen mit mindestens 45 Beschäftigten.
  • bei Betrieben mit bis zu 200 Beschäftigten können nur ca. 15 % der Mitarbeiter*innen dieses Recht in Anspruch nehmen (exakte Zahl ist nach Mitarbeitern gestaffelt).
  • Beschäftigte müssen mindestens 1/2 Jahr im Unternehmen sein.

Allerdings kann die Brückenzeit abgelehnt werden, wenn dem Verlangen betriebliche Gründe entgegenstehen. Das ist der Fall, wenn dadurch z.B. die Organisation oder der Arbeitsablauf des Betriebes wesentlich beeinträchtigt wird. Dies muss jedoch der Arbeitgeber beweisen.

Angestellte, die bereits (unbefristet) in Teilzeit beschäftigt sind, haben weiterhin den Anspruch für einen freien Arbeitsplatz bevorzugt behandelt zu werden. Neu ist hier, dass nun der Arbeitgeber beweisen muss, dass kein freier Arbeitsplatz vorhanden ist oder der Mitarbeiter nicht geeignet ist. Diese Beweislastumkehr soll den Beschäftigten die Rückkehr in Vollzeit erleichtern.

Ein guter Schritt Richtung Flexibilisierung

Immer mehr Menschen wollen ihre Arbeitszeit reduzieren, das zeigt der Trend der letzten Jahre. Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, eine Weiterbildung oder einfach mehr freie Zeit – die Gründe dafür sind vielfältig. Doch nicht alle möchten ihre Arbeitszeiten auf Dauer verkürzen. Bisher war es allerdings schwierig, eine einmal reduzierte Arbeitszeit wieder aufzustocken. Mit dem neuen Gesetzesentwurf wird eine flexible Arbeits- und Lebenszeitgestaltung jetzt möglich. Allerdings gilt das nur in Betrieben ab 45 Beschäftigten. 60% der Mütter jedoch arbeitet in kleinen und mittleren Betrieben. Dadurch wird die Gesetzesänderung für viele Menschen keine Anwendung finden. Ein erster Schritt Richtung Flexibilisierung ist jedoch damit getan.

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.