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Zusammenarbeit im Topsharing – Teamwork makes the dream work

Zusammenarbeit im Topsharing - Teamwork makes the dream work

Martin Bornholdt und Christian Noll teilen sich Geschäftsführung und Vorstand des Energieeffizenzverbandes DENEFF. Im Interview haben sie uns erzählt, wie ihre Zusammenarbeit entstanden ist, was sie auszeichnet und welche Vor- und Nachteile es gibt.

Erzählt uns doch bitte kurz, was ihr macht!

Martin: Christian und ich sind die Gründer der Deutschen Unternehmensinitiative für Energieeffizienz kurz DENEFF. Wir sind das erste unabhängige und branchenübergreifende Netzwerk, dass sich für eine effektive Energieeffizienzpolitik einsetzt. Im Volksmund würde man das wohl Lobbyismus für die eingesparte Kilowattstunde nennen.

Christian: Wir sind beide geschäftsführende Vorstände und vertreten den Verein im Doppelpack. Wir wurden auch schon miteinander verwechselt. Wir sind sozusagen zweieiige Einlinge (lacht). Im Ernst: Unsere Zusammenarbeit hat viele Vorteile und wir teilen uns die Verantwortung. Martin ist beispielsweise eher für die strategischen Dinge zuständig, ich mache das Politische. Obwohl jeder seine Aufgabenbereiche hat, ist es so, dass Martin immer für mich einspringen kann und auch umgekehrt.

Gibt es Besonderheiten, die eure Zusammenarbeit auszeichnet?

Martin: Ja, wir teilen uns die Verantwortung. Wenn einer mal nicht mit 100% Power bei der Sache ist, dann kann der andere helfen und zur Not auch mal einen Tritt in den Hintern verpassen. Wir schauen aufeinander und achten darauf, dass alles läuft und hangeln uns gemeinsam von Lebenssituation zu Lebenssituation. Klar ist: Ohne Christian hätte ich die Gründung nicht gemacht!

Wie ist eure Zusammenarbeit eigentlich entstanden und wie organisiert ihr euch als Team?

Christian: Wir sind als Tandem ein richtig gutes Team. Aber das waren wir auch schon vor der Gründung. Wir kennen uns seit Studienzeiten, haben mehr als zehn Jahre zusammengewohnt, sind über 15 Jahre miteinander befreundet. Es ist ein großer Vorteil zu wissen, wie man als Team funktioniert. Wir haben beispielsweise ein Buch zusammen geschrieben. Wenn solch ein Projekt gut funktioniert, dann sind das gute Voraussetzungen für eine weitere Zusammenarbeit. Unsere eingespielte Arbeitsweise wirkt sich auch positiv auf die Teamstruktur aus. Alle unsere Mitarbeiter arbeiten selbstständig an Projekten – und das finden wir auch gut so.

Martin: Es ist unumgänglich, sich ständig abzustimmen und viel miteinander zu reden, egal ob das inhaltliche oder organisatorische Themen sind. Wir sehen uns auch oft im Büro. Diese gemeinsame Zeit eignet sich bestens für Absprachen, denn wir wechseln uns nicht schichtmäßig ab, sondern haben viele Overlaps. Unsere Arbeit und unsere Projekte sind nicht strikt voneinander getrennt – wir teilen uns die Arbeit eben als Team.

Was sind die größten Vorteile? Und gibt es auch Nachteile?

Martin: Unsere Zusammenarbeit sorgt für eine bessere Work-Life-Balance. Es ist immer jemand da und wir sind auch flexibel erreichbar, wenn es wichtig ist oder es drauf ankommt!

Christian: Für uns galt: statt Gehaltserhöhung Stundenreduzierung und damit mehr Zeit für das Privatleben. Martin hat eine kleine Tochter. Wenn er mal nicht so flexibel agieren kann, dann springe ich ein. Oder andersrum. Und der wahre Luxus sind heute nicht mehr Statussymbole, sondern Zeit zu haben.

Beide: Nachteile sind uns bisher keine aufgefallen. Wir haben kürzlich gelernt: Teamwork makes the dream work!

Wie reagiert denn euer Team auf eure Art der Zusammenarbeit?

Christian: Wir haben eine Tandemstruktur mit fließenden Übergängen. So wie wir arbeiten, überträgt sich das auf das ganze Team. Auch in unserem Team teilt man sich die Aufgaben. Wir haben keine klare Hierarchie mit strenger Aufgabenverteilung und nur wenige Regeln. Das ist für manche Menschen belastend, aber es hat auch viele Vorteile.

Martin: Die Grenzen sind sehr fließend und wir strukturieren uns eher nach Projekten und Themen. Wir haben uns bewusst entschieden so zu arbeiten und brauchen auch Menschen, die ebenso arbeiten wollen.

Habt Ihr konkrete Tipps für Tandems, die gemeinsam gründen wollen?

Christian: Learning by doing: Wir wussten nicht wie man gründet. Netzwerke sind sehr wichtig.

Martin: Sich vorher fragen: Hat man schon mal was zusammen gemacht und hat das funktioniert. Ich glaub das ist schon von Vorteil. Tickt man gleich? Sind wir mit der gleichen Ernsthaftigkeit bei der Sache? Haben wir dieselben Ziele und Werte…

Christian: Gerade die Gründungsphase ist eine richtig harte Zeit. Da muss man sich mit dem Partner schon sicher sein, denn da geht es auch um die Existenz. Bei konträren Vorstellungen wird es schwierig.

Martin: Sich regelmäßig unterhalten, nicht nur übers Tagesgeschäft, sondern stetig reflektieren: besonders die Erwartungshaltungen abgleichen. Lieber mal ein bisschen mehr als zu wenig reden!

Viele Menschen trauen es sich nicht zu, so eng zusammenzuarbeiten:

Christian: Sicherlich, aber das kann man sich ja auch selbst gestalten. Wenn beide eine Distanz wollen, dann passt das. Wenn nur einer Distanz will und der andere nicht, dann ist das ein Problem.

Martin: Man muss darüber sprechen: Die größten Probleme entstehen dann, wenn nicht gesagt wird, was der andere will. Und wenn solche Dinge geklärt sind, dann hat man Zeit für operative Sachen. Bei uns ist es ein guter Austausch, der nebenbei läuft – ohne formelles „every Morning Meeting“.

Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit auf eure Freundschaft ausgewirkt?

Christian: Die Zusammenarbeit hat unsere Freundschaft schon verändert. Wir unterhalten uns auch privat mehr über den Job, das ist klar. Und das ist auch gut so.

Würde es auch ohne die freundschaftliche Ebene funktionieren?

Martin: Eine professionelle Distanz hat sicherlich auch Vorteile, vielleicht ist das auch notwendig. Wenn man mit den Menschen befreundet ist, mit denen mach auch zusammenarbeitet, dann hat man eine ganz andere Verantwortung für sie. In unserem Fall gibt es DENEFF nur aufgrund unserer Freundschaft.

Christian: Wir ergänzen uns sehr gut. Aber das wäre auch nicht mit allen Freunden so problemlos möglich wie bei uns.

Martin: Sicherlich gibt verschiedene Wege: Klar und professionell oder lieber freundschaftlich. Aber wir wollen was machen, was Spaß macht. Das funktioniert sowohl freundschaftlich, als auch professionell. Selbstverantwortliche Arbeit mit ehrlichem Feedback und professioneller Distanz ist wichtig für das gesamte Team.

Glaubt ihr, dass ein Matching Algorithmus euch gematched hätte?

Christian: Könnte ich mir gut vorstellen. Für Jobsuchende ist das eine gute Möglichkeit einen passenden Tandempartner zu finden. Egal wie man sich als Tandem findet, die Gemeinsamkeiten sind wichtig. Genauso wie der Humor und die Wertvorstellungen.

Martin: Aber auch Unterschiede, die sich bei uns ganz gut ergänzen. Unsere Softskills und die verschiedenen Herangehensweisen sind ein gutes Beispiel. Christian agiert eher situativ, ich hingegen handle strategisch. Ich bin der Perfektionist von uns beiden und Christian ist eher flott, er kann Sachen einfach schnell mal fertig machen.

Danke für den interessanten Einblick!

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