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Jobsharing – eine neue Laune der Shareconomy?

Jobsharing - eine neue Laune der Shareconomy?

Wir teilen mittlerweile wie selbstverständlich (fast) alles: Autos, Bohrmaschinen, Gärten, unsere Wohnungen, Musik, sogar Haustiere, Essen, Bücher – und natürlich unser Wissen. Shareconomy (oder auch Sharing Economy) heißt diese Bewegung, die ungebremst weiter um sich greift und sogar namengebend für die letzte Cebit (2013) war. Ein Trend des Teilens, der treue Verfechter aber auch große Kritiker hat. Es gibt Stimmen, die sagen, dass die Shareconomy nicht zu weniger Konsum, sondern nur zu anderem Konsum führen würde. Wie passt Jobsharing in diese Bewegung? Ist das Teilen von Jobs eine weitere Laune der Shareconomy – oder geht es hier vielleicht um etwas ganz anderes?

Shareconomy – Geteiltes Glück oder cleveres Sparen?

Die Quintessenz der Shareconomy ist das Teilen: das Teilen von Wissen und Inhalten (vorwiegend im World Wide Web) und um das Teilen von Konsumgütern. Es geht um weniger Konsum, um Nachhaltigkeit, um Ressourcenschonung. Es geht aber auch ums Sparen, darum, Dinge und Dienstleistungen zu nutzen, die man sich sonst nicht leisten könnte. Der soziale und der ökonomische Aspekt, sie liegen in der Shareconomy eng beieinander.

Beim Jobsharing gibt es tatsächlich einige Parallelen. Hier geht es um das Teilen von Arbeit, klassischerweise um das Teilen einer Stelle durch zwei Personen. Zwei Mitarbeiter teilen sich einen Job und teilen dabei vor allem ihre Ideen,  ihre Sichtweisen, ihr Wissen und ihre Erfahrung. Auch hier geht es um Nachhaltigkeit, ja sogar um Nachhaltigkeit im ursprünglichsten Sinne. Es geht um ein nachhaltiges Leben, in dem Menschen durch gute Zusammenarbeit ihre Kräfte gut verteilen und letztlich alle gewinnen: die Mitarbeiter, die Kraft und Motivation schöpfen und die Arbeitgeber, die vom Teamwork und der gesteigerten Produktivität ganz klar profitieren.

Doch geht es aus Jobsharer-Sicht ebenso um (Selbst-)Optimierung und den ökonomischen Aspekt, wenn auch in einer anderen Währung: Jobsharern geht es um die bestmögliche, sinnvolle Nutzung ihrer ZEIT, der knappsten Ressource moderner Gesellschaften.

Bloß nicht festlegen – Glück auf Zeit?

In der Shareconomy fällt eines auf: Es geht fast immer um Teilen auf Zeit, um die Wohnung eines anderen, die man für eine Woche mietet, um ein Auto, das man für eine kurze Fahrt ausleiht, um Haustiere, die man an einem Tag in der Woche hütet. Fernab von der Last, die „Besitzen“ mit sich bringen kann,  trifft man Entscheidungen oft nur für einen begrenzten Zeitraum ohne sich langfristig festzulegen und zu binden.

Diese „Vorläufigkeit“ findet man beim Jobsharing weniger. Zwar ist das Jobsharing Arbeitsmodell oftmals ein Modell für bestimmte Lebensphasen und damit unter Umständen auch zeitlich (z.B. auf 3 Jahre) begrenzt, das Commitment, das man seinem Jobsharingpartner gibt, ist jedoch wesentlich  verbindlicher und persönlicher. Allein durch die enge Zusammenarbeit entsteht eine Bindung, die um ein vielfaches enger und beständiger ist als in üblichen Sharing-Kontexten (z.B. Carsharing oder Knowledge-Sharing im Web 2.0).

Teilen oder tauschen? Worum geht’s?

Geht es in der Shareconomy wirklich ums Teilen? Oder vielmehr ums Tauschen?

Beim Jobsharing jedenfalls geht es um beides. Um den bewussten Tausch von Geld gegen Zeit bei der Entscheidung für ein Jobsharing-Arbeitsverhältnis. Und um das Teilen von Wissen, Erfahrung, Ideen und Gedanken innerhalb der Zusammenarbeit.

Wer vertraut hier wem?

Die Shareconomy funktioniert nur, wenn die Teilnehmer Verantwortung für die geteilten Güter übernehmen und somit ein Grundvertrauen herrscht. Beim Jobsharing wird die geteilte Verantwortung auf eine neue Stufe gehoben: Beide Tandempartner teilen sich die Verantwortung für einen Job und treten für den anderen ein. Nur wenn sich beide gegenseitig vertrauen und mit einer gemeinsamen Stimme sprechen, funktioniert die Zusammenarbeit und auch das Auftreten gegenüber der Teamkollegen und Vorgesetzten.

Nicht weniger, aber anders?

Der Konsum wird nicht weniger, aber anders? Dieser Gedanke zur Shareconomy lässt sich durchaus auch auf Jobsharing übertragen. Das Modell ändert erst einmal grundsätzlich nichts an der Tatsache, dass wir arbeiten.  Es wird gesamtgesellschaftlich und langfristig betrachtet auch nicht unbedingt dazu führen, dass wir weniger arbeiten. Es kann aber dazu führen, dass sich Arbeit in unserer Gesellschaft anders verteilt: auf mehrere Akteure, mehrere Arbeitgeber gleichzeitig und über die Lebenszeit hinweg, mit Anpassung an die jeweilige Lebensphase und die Umstände.

Wer gewinnt am Ende?

Es gibt Skeptiker, die darauf beharren, dass in der Shareconomy am Ende nur die Firmen gewinnen. Die mit den cleveren Geschäftsmodellen im Hintergrund, diejenigen, die eine Provision einkassieren für all das, was fröhlich geteilt und verteilt wird.

Ob diese Sicht, wenn auch in Teilen sicher berechtigt, nicht allzu schwarz ist, sei einmal dahingestellt. In jedem Fall gewinnen auch die Menschen, die sich nun zeitweise etwas gönnen können, was für sie vorher nie erschwinglich war. Und wie die Shareconomy sich auf längere Sicht tatsächlich auf unseren Konsum und eine nachhaltige Lebensweise auswirkt, ist sicher noch nicht ausreichend erforscht, um den Grundgedanken bereits jetzt zu verteufeln.

Sicher ist aber, dass beim Jobsharing vor allem die Menschen gewinnen. Und zwar die, die im Tandem arbeiten und die, die ein Tandem anstellen. Während die Jobsharer vor allem Zeit, Flexibilität und einen starken Sparringspartner gewinnen, ziehen die Arbeitgeber große Vorteile aus der höheren Produktivität ihrer Mitarbeiter in Teilzeit, aus wesentlich geringeren Kosten durch Krankheitsausfälle und eine stets bestens informierte Urlaubsvertretung. Diese Vorteile übersteigen in der individuellen Gewichtung (Jobsharer tauschen bewusst Geld gegen Zeit) und auch rein rechnerisch (die Gewinne für Unternehmen sind wesentlich höher als die Kosten) die vermeintlichen Einbußen.

Jobsharing ist, wenn man es denn als Teil der Shareconomy bezeichnen möchte, sicher eines der nachhaltigsten Modelle in diesem Bereich. Es ist ein modernes Arbeitskonzept mit dem Potential, Nachhaltigkeit zu fördern bezogen auf unser wertvollstes Gut: unsere Lebenszeit.

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