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„Freiheit, Selbstbestimmung und (räumliche) Abwechslung motivieren mich unheimlich.“ – Ein Jahr Jobsharing auf Teneriffa

Eva Schubert lebt momentan ihren Traum: Sie lebt und arbeitet auf Teneriffa. Ihren 9-to-5-Job als Social Media Koordinatorin hat sie in ein Jobsharing umgewandelt und ihr Büro in Köln gegen Coworking auf Teneriffa getauscht. Wie es dazu kam, wie das Leben und Arbeiten auf Teneriffa ist und ob sie auch in Zukunft flexibel und ortsunabhängig arbeiten will, hat Eva uns im Interview erzählt.

Eva, du arbeitest von Teneriffa aus für ein Unternehmen in Köln. Was machst du genau und wie kam es zu dieser besonderen Situation?

Ja, es klingt immer noch unglaublich, aber es stimmt: Ich arbeite bereits neun Monate von Teneriffa aus. Meine Position als Social Media Koordinatorin bei einem Kölner Traditionsunternehmen teile ich mir mit einer Jobsharing-Partnerin. Meine Aufgaben erledige ich komplett digital. Ich betreue z.B. den Unternehmensblog, die Unternehmenswebsite und kümmere mich um die Krisenkommunikation auf Twitter, Facebook & Co. Dafür brauche ich nur meinen Laptop, das Firmenhandy und schnelles Internet. Mit den Kollegen tausche ich mich regelmäßig per Telefon, Chat und Webkonferenz aus. Alle zwei, drei Monate fliege ich auf eigene Kosten nach Köln, um ein paar Tage vor Ort im Büro zu arbeiten.
Doch der Weg zu diesem flexiblen Arbeitsmodell war nicht ganz einfach. Über drei Monate erstreckten sich die Gespräche mit meinem Chef, dem Personaler und dem CEO. Alle Entscheider mussten überzeugt werden, denn ein solches Arbeitsmodell gab es in der Firma zuvor nicht. Als ich schließlich eine Jobsharing-Partnerin fand, mit der ich im Tandem arbeiten sollte, bekam ich die Erlaubnis für ein Jahr in Teilzeit von Teneriffa aus arbeiten zu dürfen.

Was wer der Grund/Auslöser für diesen Schritt und deine Entscheidung?

Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Vielmehr reifte der Gedanke über Monate in mir. Definitiv inspiriert hat mich die digitale Nomaden Bewegung. Unzählige Blogs, Bücher und Podcasts zum Thema ortsunabhängiges Arbeiten habe ich über Monate aufgesogen. Und stellte fest: Als Social Media Koordinatorin habe ich doch genau den richtigen Beruf. Wieso muss ich jeden Tag ins selbe Büro fahren, obwohl ich doch eigentlich von überall aus arbeiten kann? Ich wollte meinen Job nicht kündigen, sondern einen Weg finden, trotz Festanstellung ortsunabhäng zu arbeiten. Also beschloss ich für beides zu kämpfen: Meinen Traum vom Leben im Ausland zu realisieren und gleichzeitig die Zustimmung meines Unternehmen für ein solches Arbeitsmodell zu bekommen.

Wie geht es dir jetzt und wie klappt es mit deiner Arbeit aus der Ferne?

Die Arbeit aus der Ferne klappt sehr gut. Im Homeoffice oder Coworking Büro kann ich sehr konzentriert arbeiten. Dabei bin ich sogar produktiver: Meetings und die alltäglichen Ablenkungen im Großraumbüro gibt es nicht mehr. Ein weitere positiver Nebeneffekt: Seitdem ich in Teilzeit im Homeoffice arbeite, fokussiere ich mich noch mehr auf die Ergebnisse. Denn schließlich will ich eine gute Arbeit abliefern als Gegenleistung dafür, dass das Unternehmen mir ein solches Vertrauen entgegenbringt.
Wenn Kollegen im Urlaub oder krank sind, zeigt das Tandem-Modell seine Stärken. Ich springe gerne ein und helfe aus, wo ich kann. Mit diesem Arbeitsmodell fühle ich mich prima. Freiheit, Selbstbestimmung und (räumliche) Abwechslung motivieren mich unheimlich. Und die Lebensqualität könnte wohl kaum besser sein. Ob wandern, kitesurfen, klettern, mountainbiken, tauchen oder wellenreiten – Teneriffa ist ein ganzjähriges Outdoorsport-Paradies. Selbst im Winter sind die Tage warm und viel länger als in Deutschland. Ich kann sehr viel Zeit draußen verbringen, was mich sehr glücklich macht. Natürlich gibt es auch Mankos: Mit Freunden und der Familie teilt man nicht mehr den Alltag. Sich ein soziales Netzwerk in der neuen Wahlheimat aufzubauen kostet viel Zeit. Fürs Spanisch lernen braucht man viel Geduld. Leider bin ich immer noch nicht auf dem Niveau, das ich gerne hätte. Aber ich arbeite weiter fleißig daran.

Wie sieht dein Arbeitstag und Alltag aus?

Mein Arbeitstag unterscheidet sich gar nicht so stark von einem Homeoffice-Tag in Deutschland. Ich arbeite drei Tage die Woche etwa 6,5 Stunden. Meine Aufgaben erledige ich an manchen Tagen von Zuhause aus, an anderen Tagen im Coworking Büro in Santa Cruz, der Hauptstadt Teneriffa. Da ich meine Arbeitszeit reduziert habe, um mich sozial zu engagieren, bin ich viel bei Projekten und Events als Volunteer tätig. Daneben schreibe ich in meinem Blog über das Leben und Arbeiten auf Teneriffa. Der Blog soll angehenden Auswanderern und digitalen Nomaden dabei helfen, sich ein Leben auf Teneriffa aufzubauen.
Nach der Arbeit zieht es mich nach Draußen: kitesurfen, klettern und wandern sind meine Leidenschaften. Ansonsten stehen Yoga-Kurs, Couchsurfing Meetings oder Spanisch-Tandems auf dem Programm. Die Wochenende, an denen meinem Freund und ich mit unserem VW Bus die Insel erkunden, fühlen sich an wie Kurz-Urlaube.

Wie organisiert ihr euer Jobsharing?

Mit meiner Jobsharing-Partnerin habe ich die Aufgaben klar aufgeteilt. Sie übernimmt die To-Dos, die Vor-Ort-Präsenz erfordern. Dazu zählen Meetings, Workshops und Präsentationen. Ich arbeite eher im „Backoffice“, indem ich Blogartikel und Social Media Posts erstelle, Präsentationen und Konzepte vorbereite und mich ums Content-Management und die Krisenkommunikation kümmere. Das A und O ist die Kommunikation: Mit meiner Jobsharing Partnerin tausche ich mich mindestens einmal pro Woche am Telefon aus. Ohne klare Aufgabenaufteilung und Absprachen würde das Jobsharing nicht funktionieren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir im Tandem noch kreativer sind. Zwei Köpfe sind einfach klüger und beleuchten Dinge differenzierter. So haben wir durch unsere unterschiedlichen Stärken noch bessere Ergebnisse erzielt. Ein weiterer großer Vorteil: Verlässt ein Tandempartner das Unternehmen, bleibt das Wissen trotzdem erhalten. Und bei Krankheit oder Urlaub kann der Tandempartner einspringen.

Willst du auch in Zukunft flexibel arbeiten?

Die Zeit auf Teneriffa ist für mich ein sehr bereicherndes Abenteuer. Ich lerne unglaublich viel und entwickle mich weiter. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Eine der schönsten Erkenntnisse: Es funktioniert! Ich kann von Teneriffa aus arbeiten und meinen Traum leben. Da das Modell für mich sehr gut funktioniert, hoffe ich auch in Zukunft flexibel arbeiten zu können. In welcher Weise auch immer. Es bleibt spannend!

Danke für das tolle Interview und noch eine wunderbare Zeit auf Teneriffa!

 

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