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Ursprung und Fakten – Jobsharing in Deutschland

Ursprünge und Fakten der Jobsharing Bewegung

Sucht man nach Büchern über Jobsharing, fällt eines direkt ins Auge: Viele Werke sind nicht etwa brandaktuell, sondern stammen aus den 80er Jahren. Spricht man mit der Generation der in den 50ern und frühen 60ern Geborenen, kommt auch promt die Reaktion: „Jobharing? Das ist doch nichts Neues – das haben wir in den 80ern schon gemacht!“ Doch woher kam Jobsharing und was ist mit der Jobsharing Bewegung in Deutschland passiert?

Eine Bewegung aus den USA

Der Ursprung der deutschen Jobsharing Bewegung liegt tatsächlich mehr als 30 Jahre zurück, kam damals aus den USA, wo das Thema sogar schon seit den 60ern, unter der Carter-Regierung forciert wurde. Hintergrund in den USA war vor allem der Wunsch, Arbeitsplätze für Benachteiligte der Gesellschaft (Frauen, Farbige) zu schaffen. Auch in Führungspositionen wurde das Modell damals, vor nun fast 35 Jahren, bereits erfolgreich erprobt (Gorges, 1984).

Als die Jobsharing Bewegung Anfang der 80er Jahre nach Deutschland schwappte, war Jobsharing (der Begriff wurde weitestgehend übernommen und ist bis heute geläufiger als die deutsche Übersetzung „Arbeitsplatzteilung“) vor allem eines: ein Instrument der Arbeitsmarktpolitik. Einerseits sollte Jobsharing neue Arbeitsplätze schaffen und andererseits den Kampf der Gewerkschaften um die Verkürzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich unterstützen.

Ein Weg aus der Arbeitslosigkeit?

Der Hintergrund: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland war Anfang der 80er auf einem Rekordniveau. Ende August 1981 gab es in der Bundesrepublik fast 1,3 Millionen Arbeitslose. Was uns heute gering erscheint, war damals eine erschreckend hohe Zahl: Nur 1951 hatte es bis dahin eine höhere Arbeitslosenquote gegeben (Reyher, 1981). Es waren also Reaktionen und Lösungsvorschläge seitens der Regierung gefragt.

Was damals noch niemand wissen konnte: Die Arbeitslosigkeit sollte bis 2005 (4,9 Millionen Arbeitslose) kontinuierlich weiter ansteigen, um erst danach wieder deutlich zu sinken (2012: 2,9% Arbeitslose). Seit Anfang der 80er gehörte Arbeitslosigkeit also zu den größten sozialen Problemen in unserem Land – und die Einführung von Jobsharing wurde schon damals als eine Lösung dafür gesehen (Bpb – Bundeszentrale für politische Bildung, 2013).

Eine gesetzliche Grundlage – Und moderne Ansichten

In einer offiziellen, von Helmut Kohl verlesenen Regierungserklärung vom Mai 1983 heißt es: „Wir werden durch neue arbeitsrechtliche Bestimmungen dazu beitragen, die Chancen der Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Arbeitsplatzteilung und Teilzeitarbeit werden wir nach Kräften begünstigen.“ (Kohl, 1983)

Eine wichtige Errungenschaft aus dieser Zeit ist die bis heute gültige gesetzliche Verankerung von Jobsharing im Teilzeit- und Befristungsgesetz (§ 13 TzBfg), die den Rahmen für alle zukünftigen Jobsharing-Arbeitsverhältnisse absteckte und formale Unsicherheiten auf Arbeitgeberseite abbauen sollte.

Neben den rechtlichen Grundlagen und der Verbesserung der Arbeitsmarktsituation wurden auch damals schon die gesellschaftlichen Vorteile des Jobsharing diskutiert: „Zunehmend besteht das Interesse daran, den Arbeitsplatz zu teilen, Job-Sharing einzugehen und dadurch (.) mehr Zeit für die Familie und Freizeit zu gewinnen“ (Gorges, 1984).

Die Jobsharing Bewegung – Alles wieder vergessen?

Bereits vor 30 Jahren also wurde das Potential des Jobsharing für eine ausgewogene Lebensgestaltung erkannt. Warum aber geriet die Jobsharing Bewegung wieder in Vergessenheit und kommt erst jetzt langsam wieder auf? War die Zeit damals noch nicht reif? Oder wurde das Modell bislang nicht in seinem ganzen Potentials erkannt und gefördert?

Es ist gar nicht so einfach, das nachzuvollziehen. Klar ist jedoch: In unserer heutigen Arbeitswelt, im Jahr 2013, ist Jobsharing als Thema aktueller und spannender denn je. Die gesetzlichen Grundlagen sind längst geschaffen – und die gesellschaftliche Situation schreit geradezu danach. Das Mehr an Zeit (für die Familie, andere Projekte oder Verpflichtungen, für Weiterbildung oder einfach für sich) ist nach wie vor eine treibende Kraft für den Wunsch nach Arbeit in Teilzeit. Die Chancen von Teamarbeit statt Einzelkampf sind uns nur allzu bewusst. Die Stellung der Frau im Arbeitsmarkt – hier gibt es auch 30 Jahre später noch ordentlich Aufholbedarf. Plus: Deutsche Arbeitnehmer sind zunehmend gestresst (TK Gesundheitsreport, 2013). Die Zeit, das wird ganz deutlich, ist immer noch reif – ja eigentlich reifer denn je für eine größere Verbreitung und Förderung der Jobsharing Bewegung.

Quellen:

Bpb – Bundeszentale für politische Bildung (2013): Arbeitslose und Arbeitslosenquote. Die soziale Situation in Deutschland. URL:
http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61718/arbeitslose-und-arbeitslosenquote
(Stand: Oktober 2013)

Gorges, Renate (1984): Job-Sharing. Möglichkeiten für Arbeitsteilung und Arbeitszeitorganisation. Econ Taschenbuch Verlag

Kohl, Helmut (1983): Programm der Erneuerung: Freiheit, Mitmenschlichkeit, Verantwortung. Regierungserklärung des Bundeskanzlers am 4. Mai 1983 vor dem Deutschen Bundestag in Bonn

Reyher, Lutz (1981): Zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den 80er Jahren. In: Gewerkschaftliche Monatshefte, Zeitschrift für soziale Theorie und Praxis, Jg. 32, H. 10, 1981, S. 611-616

TK Gesundheitsreport, 2013. Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse. URL: http://www.tk.de/centaurus/servlet/contentblob/516416/Datei/84352/Gesundheitsreport-2013.pdf (Stand: Oktober 2013)

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