,

#ChangeAgent Julia Schwebel – lebt vor, wie Vereinbarkeit funktionieren kann

Julia Schwebel arbeitet bei Merck in Darmstadt und ist dort verantwortlich für B2B in Asien/Pazifik. Das bedeutet, dass ihr Team und sie sich um die elektronische Anbindung der Kunden kümmern, wenn es um Kataloge, Bestellungen oder die Rechnungssendung geht. Dabei sind nicht nur ihre Kunden international, auch Julias Team ist über vier Länder auf drei Kontinenten verteilt. Julia selbst arbeitet sehr flexibel und gibt diese Flexibilität auch an ihr Team weiter. Dabei liegt ihr vor allem das Thema Vereinbarkeit am Herzen. Als #ChangeAgent lebt sie vor, was sie in der Arbeitswelt verändern will.

Julia, wenn du eine Sache am Arbeitsmarkt sofort verändern könntest, welche wäre das? Vor allem im Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Ich habe oft das Gefühl, dass hier nichts vereint wird, sondern einfach zusätzlich drauf gepackt. Vor allem dadurch, dass es, sowohl für Frauen als auch Männer, schwierig ist, in einer hochqualifizierten Rolle oder in einer Führungsposition in Teilzeit zu arbeiten. Hier würde ich mir wünschen, dass die Unternehmen ein solches Modell ermöglichen und es so normaler wird, dass der Chef freitags (oder nach 15 Uhr, etc.) einfach nicht da ist. Meiner Erfahrung nach kommen Mitarbeiter damit durchaus klar! Und Ziele können trotzdem erreicht werden, weil man, wenn man weiß dass die Zeit begrenzt ist, meistens effizienter arbeitet.

Was ist dein persönlicher Beitrag dazu, dass sich etwas tut?

In unserer Familie versuchen mein Partner und ich, gleichberechtigt für die Kinder da zu sein, aber eben auch gleichberechtigt zu arbeiten. Jedem von uns macht beides Spaß, und ich fände es schade und unfair, wenn einer auf einen Teil verzichten müsste. Ich denke, wenn mehr Familien die Möglichkeit hätten, dieses Modell zu wählen, brächte das Vorteile für alle Seiten. Zum anderen versuche ich, die Flexibilität die ich bekomme bzw. mir nehme, auch meinen Mitarbeitern einzuräumen. Auch wenn man keine kleinen Kinder hat, kann es einen Bedarf an Flexibilität geben, beispielsweise wenn man sich um kranke Angehörige kümmert. Völlig überholt finde ich daher eine Anwesenheitspflicht im Büro, gerade wenn man sowieso in virtuellen Teams arbeitet, wo es egal ist, ob sich der Kollege in Singapur von zu Hause oder vom Büro aus ins Meeting einwählt. Merck ist da zum Glück, zumindest in Deutschland, ein Arbeitgeber, der das erkannt hat.

Wie sieht für dich ein Unternehmen aus, das für die „Arbeitswelt von morgen“ gewappnet ist?

Ich fände es schön, wenn alle Menschen, egal ob Mann oder Frau, selbst entscheiden könnten, wie viel, von wo aus und in welcher Rolle sie arbeiten möchten, und es nicht abhängig wäre von Position, Kinderbetreuungszeiten, oder ob eine Oma bereitsteht, wenn das Kind krank ist. Außerdem würde ich mich freuen, wenn es insgesamt mehr Alternativmodelle geben würde – wenn man in die Führungsriegen großer Unternehmen schaut, stehen da meistens ältere Männer. Es gibt bestimmt viele qualifizierte Frauen, die auch Interesse an einer solchen Position hätten, aber aufgrund äußerer Umstände (siehe oben) freiwillig darauf verzichten. Gleichzeitig sollte man, nur weil man sich für eine solche Position entscheidet, nicht auf Familie und Kinder verzichten müssen. Auch den Versuch einiger Unternehmen, Familien durch sehr lange Kinderbetreuungszeiten oder Notfallbetreungseinrichten zu „helfen“, finde ich nicht immer gelungen: Vielleicht will ich ja gar nicht, dass mein Kind jeden Tag von 7:00-19:00 Uhr betreut wird, oder vielleicht habe ich ein Kind, das sich morgens nicht einfach in ein ungewohntes Betreuungsumfeld stecken lässt. Mehr Flexibilität bezüglich Arbeitszeit und -ort wäre hier die bessere Lösung.

Liebe Julia, vielen Dank für Deine Zeit & das Engagement!

In unserer Rubrik #ChangeAgents stellen wir Menschen vor, die uns ermutigen, etwas anzupacken und zu verändern. Starke Köpfe, die sich mit viel Leidenschaft für eine menschlichere Arbeitswelt einsetzen und damit ein Umdenken in Gang bringen und Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten. Unsere #ChangeAgents sind Vorbilder, Querdenker, Multiplikatoren und Andersmacher.

1 Antwort
  1. Monika Käseberg
    Monika Käseberg sagte:

    Na das finde ich prima, ich hatte bezüglich der vielen hochqualifizierten jungen Frauen in kleinen Teilzeiten schon die Befürchtung, dass all die Mühen meiner Generation um ambitionierte Frauen/Männerrollenbilder nicht recht fruchten

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.