,

5 Totschlagargumente gegen Jobsharing, die keine sind.

Totschlagargumente gegen Jobsharing und warum es keine sind

Totschlagargumente gegen Jobsharing – Wir hören sie tagtäglich. Denn auch wenn viele Menschen und Unternehmen Jobsharing klasse finden, gibt es mindestens ebenso viele Zweifler und vermeintlich stichhaltige Gründe, warum Jobsharing nicht funktionieren kann. Liegt es an unserer Kultur, dass wir immer erstmal mit einem „aber“ ansetzen? Dass wir zuerst abwägen, was alles nicht geht, bevor wir überlegen, wie und wo etwas gehen – und uns weiterbringen – könnte? Diese 5 Totschlagargumente jedenfalls lassen wir nicht mehr gelten – denn sie sind keine!

5 Totschlagargumente gegen Jobsharing, die keine sind

  1. Es gibt doch schon Teilzeit.
    Stimmt, aber gibt es jeden Job in Teilzeit? Ihren? Können Sie in Ihrem Job problemlos die Stunden runterschrauben? Können es all Ihre Freunde, Ihre Bekannten, Ihr Partner oder Ihre Partnerin? Viele Jobs sind nicht im klassischen Sinne teilzeittauglich. Und oft sind das die Jobs, die wir mögen, die, die wir wirklich machen wollen, die uns Freude machen und herausfordern. Die Jobs gleichermaßen, die oft eine 100%- und mehr Besetzung verlangen. Genau hier greift Jobsharing – und schließt eine große Lücke. Denn wenn zwei Menschen gemeinsam eine Stelle besetzen und verantworten, eng zusammenarbeiten und ihre Potentiale zusammenbringen, werden Stellen teilzeittauglich, die es bisher nicht waren.
  2. Klingt schön, aber wer kann schon mit dem halben Gehalt leben?
    Viele Menschen hierzulande können das. Sicherlich nicht alle – aber das behauptet auch niemand. Wie so oft im Leben ist auch die Frage nach einem ausreichenden Gehalt eine höchst subjektive Sache und zudem eine Frage der Prioritätensetzung: Brauche ich ein Einfamilienhaus, ein Auto, welche finanziellen Verpflichtungen gehe ich ein, welche nicht, wie viel spare ich – und wofür? Möchte ich gar bewusst meinen Lebensstil vereinfachen (Stichwort „Downshifting„), um dem täglichen Hamsterrad zu entkommen und mehr Zeit zu haben?
    Unabhängig davon bedeutet Jobsharing nicht, dass man zwangsläufig mit einem halben Gehalt lebt. Viele Jobsharing-Arbeitsverhältnisse gehen insgesamt über 100% hinaus, die Jobsharer bekommen dann z.B. noch jeweils 60% ihres ursprünglichen Einkommens, was steuertechnisch oftmals gar nicht so nachteilig ist. Finden sie mit dem Partner eine gemeinsame Lösung – und er/sie arbeitet ebenfalls mit reduzierter Stundenzahl, reicht das Einkommen in vielen Fällen aus. Außerdem muss die geteilte Stelle nicht die einzige Einkommensquelle sein. Viele Jobsharer nutzen das Modell, um nebenher noch weitere, eigene Projekte zu verfolgen oder einer selbstständigen Nebentätigkeit nachzukommen. Für sie ist das Jobsharing der sichere Einstieg in eine buntere, flexiblere Arbeitswelt.
  3. Welches Unternehmen sollte das wollen?
    Jedes 5. Unternehmen in Deutschland will es schon – und das hat gute Gründe. Jobsharing ist für Unternehmen ein tolles Arbeitsmodell, um geschätzten Mitarbeitern, die in bestimmten Lebensphasen mehr Zeit brauchen oder schlichtweg wollen, flexible Arbeit zu ermöglichen – und diese somit im Unternehmen zu halten. Unternehmen sprechen mit dem Jobsharing-Modell außerdem neue Zielgruppen an, nämlich all jene, die viel zu geben haben – aber anders arbeiten wollen! Das sind gut ausgebildete Eltern, die sich mehr Zeit für ihre Familie wünschen, Querdenker und Kreative, die nicht nur einen Job ausüben möchten, sondern sich ihre Freiheit ein Stück weit bewahren, junge High Potentials, die noch mit einem Fuß im Studium oder ein einer Weiterbildung stehen, Menschen, die bereits ein Burnout hatten oder aus anderen gesundheitlichen Gründen nicht voll arbeiten können oder wollen, erfahrene Fachkräfte, die gegen Ende ihres Berufslebens kürzertreten, aber ihr wertvolles Wissen und ihre Erfahrung weitergeben möchten.
    Unternehmen, die Jobsharing anbieten, profitieren aber nicht nur von loyaleren Mitarbeitern und neuen Zielgruppen. Sie profitieren auch von zwei Köpfen auf einer Stelle, von doppeltem Know-how und kreativem Potential. Durch Jobsharing ergeben sich ganz neue Möglichkeiten der Stellenbesetzung, z.B. mit Mitarbeitern, die sich in ihren Stärken und Kompetenzen ergänzen und dadurch wesentlich mehr abdecken, als es eine Person alleine könnte.
    Die Jobsharer können sich ideal vertreten, ob im Urlaub oder im Krankheitsfall. Das spart enorme Kosten ein, wenn man allein von den durchschnittlichen 11 Krankheitstagen á 440 Euro Verlust pro Mitarbeiter im Jahr ausgeht. Selbst wenn keine Vertretungspflicht im Vertrag vereinbart ist, ist doch zumindest noch eine halbe Kraft da. Teilzeitarbeitende sind darüber hinaus auch noch 10-15% produktiver als Vollzeitarbeitende. Auch hier also ein deutlicher, ja sogar messbarer Gewinn für den Arbeitgeber.
  4. Alle Mütter wollen nur vormittags arbeiten – geht also schon organisatorisch nicht!
    In klassischer Teilzeit mag das so sein. Vielleicht ist hier – dies nur eine Vermutung – durch die eben nur halbe Besetzung einer Stelle zumindest die tägliche Präsenz gefragt. Und hier entscheiden sich viele Mütter wohl am ehesten für den Vormittag, weil dieser mit den Kita-Öffnungszeiten besser harmoniert. Im Jobsharing haben wir diese Tendenz zur Vormittagsarbeit bei Müttern nicht entdeckt, sie wurde in vielen dutzenden Gesprächen mit Jobsharern nicht ein einziges Mal geäußert.
    Wie kommt das? Auch hierzu lassen sich natürlich Vermutungen aufstellen. Fakt ist, dass sich in der Praxis die meisten Tandems tageweise aufteilen. Ein Jobsharer arbeitet beispielsweise montags bis mittwochs, der andere mittwochs bis freitags. Am Mittwoch gibt es eine Überschneidungsphase, in der die Übergabe geregelt wird. Für die jeweiligen Arbeitstage finden die Jobsharer individuelle Lösungen der Kinderbetreuung.
    Jobsharer, das darf man nicht unterschätzen, entwickeln dadurch, dass sie in ihren Jobs flexibel (weiter)arbeiten können, ein hohes Engagement und Eigeninteresse am Erfolg des Modells. Sie sind sich bewusst, welche Chancen im Jobsharing liegen, und finden in der Regel sehr gute und individuelle Lösungen für die Familienorganisation, in vielen Fällen natürlich gemeinsam mit ihrem Partner. Die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung durch den Arbeitgeber und die ermöglichte Flexibilität in der eigenen Zeiteinteilung führt bei Jobsharern – so mein subjektiver Eindruck – dazu, dass sie ebenfalls zu hoher Flexibilität bereit sind.
    Was bei dieser häufig aufkommen Frage komplett vergessen wird: Auch immer mehr Väter haben den Wunsch nach weniger und flexiblerer Arbeit. Und: Nicht nur Eltern wollen im Jobsharing arbeiten, sie sind nur eine von vielen Zielgruppen, die sich in bestimmten Lebensphasen flexiblere Arbeit in ihren Jobs wünschen. Das impliziert auch, dass, selbst wenn ein Elternteil Kita-bedingt nur vormittags arbeiten könnte – der andere Tandempartner (z.B. ein Student, ein erfahrener Senior gegen Ende seiner Karriere) ggf. ganz andere Zeitpräferenzen hat!
  5. Viel zu viel Kommunikationsaufwand, klappt nie!
    Jobsharer kommunizieren eng und viel miteinander, das liegt definitiv in der Natur der Sache. Deswegen werden durch das Modell ja auch Stellen teilzeittauglich, die es bisher nicht waren. Allerdings nimmt der Kommunikationsaufwand bei Jobsharing-Tandems, wie bei jeder guten Zusammenarbeit, im Laufe der Zeit ab, man stellt sich aufeinander ein, findet einen gemeinsamen Modus, weiß, welche Informationen man teilen muss und welche nicht. Spätestens, wenn man sich eingespielt hat, kommen die Vorteile der engen Kommunikation zum Tragen: eine hohe Transparenz verlangt nach guter Dokumentation, das 4-Augen-Prinzip fördert die Reflexion und führt zu besseren Ergebnissen, neuen Ideen, gegenseitigem Lernen und am Ende zu mehr Effizienz. Arbeitgeber, die Jobsharing einmal ausprobiert haben, sprechen nicht umsonst von einer „neuen Qualität der Arbeit“. Zwei können, wissen und sehen mehr als einer. Das liegt eigentlich auf der Hand – wird aber beim Jobsharing gerne erst einmal als Gegenargument verwendet.

 

5 vermeintliche Totschlagargumente, die keine sind. Die – wenn man genau hinschaut – sogar Steilvorlagen sind, um die Vorteile von Jobsharing zu verdeutlichen. Ich hoffe, Letzteres ist mir in vielen Punkten gelungen. Ich freue mich auf neue Jobsharing-Diskussionen, gerne auch über Einsatzmöglichkeiten und Chancen ;)!

„Totschlagargumente sind inhaltlich nahezu leere Argumente, also Scheinargumente, bloße Behauptungen oder Vorurteile, von denen der Disputant annimmt, dass die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer entweder mit ihm in der Bewertung übereinstimmt oder keinen Widerspruch wagt, da dies in der öffentlichen Meinung auf Ablehnung stößt.“
(Wikipedia, 2014

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.